Ratgeber · Materialkunde & Design · 2026

3M DI-NOC Designs: 1.000 Optionen, zehn Standardserien.

Die DI-NOC-Architectural-Finishes-Kollektion von 3M umfasst über 1.000 Designs in Holz-, Metall-, Stein-, Textil- und Sondereffekt-Optiken. Für den überwiegenden Teil der Innenraum-Anwendungen reichen zehn Standardserien. Dieser Guide stellt sie vor, ordnet sie nach Raumtyp und Brandschutzanforderung zu und gibt eine strukturierte Auswahl-Logik für Architekten und Planer.

Tableau aus zehn DI-NOC-Folienproben in Holz-, Metall-, Stein- und Lederoptiken, fächerartig auf Eichenholz angeordnet

Was DI-NOC ist und warum Architekten damit arbeiten

DI-NOC ist die Designfolien-Flaggschiff-Serie von 3M, ursprünglich aus dem japanischen Innenausbau-Markt entwickelt, seit den 1990er Jahren in der europäischen Architektur etabliert. Anders als reine Werbe- oder Sonnenschutzfolien ist DI-NOC explizit für die Architekturanwendung konstruiert: Innenraum-Wandverkleidung, Möbelfolierung, Empfangstresen, Türen, Aufzugskabinen und in der Architectural-Finishes-Exterior-Variante auch geschützte Außenbereiche.

Drei Eigenschaften machen DI-NOC im Planeralltag belastbar. Erstens: die Bandbreite der Designs. Holz-, Metall-, Stein-, Textil-, Beton-, Leder- und Spezialeffekt-Optiken in jeweils mehreren dutzend Varianten. Zweitens: die Architekturzertifizierung. Standardvarianten erreichen Brandklasse B-s2, d0 nach DIN EN 13501-1 und sind damit für die meisten gewerblichen Innenraum-Anwendungen zulässig. Drittens: die Materialhaptik. Aufbaudicke von etwa 0,25 mm, leichte Strukturierung, formbar bis 3D, mit feinen Holzporen oder Metallriffelungen, die sich nicht nur visuell, sondern taktil von einer Flachfolie unterscheiden.

Für Architekten und Planungsbüros ist DI-NOC die Standardantwort, wenn Bestandselemente (Tresen, Türen, Wandverkleidungen) optisch in eine neue Materialwelt überführt werden sollen, ohne die Konstruktion auszutauschen.

Wo DI-NOC heute steht

Detail eines hochwertigen Empfangstresens mit DI-NOC-Walnussholz-Folierung in einer deutschen Hotellobby

Das primäre Einsatzfeld ist der Innenraum. Foyer und Empfang, Konferenz- und Seminarräume, Aufzugskabinen, Hotellobbies und Zimmertüren, Bürotrennwände, Tresen und Theken, Möbelfronten in Hotellerie und Gastronomie. Für Gewerbe-Objekte im Rhein-Main-Gebiet ist DI-NOC der Standard, wenn ein Boutique-Hotel, eine Kanzlei oder eine Praxis ihre Marke in den Materialien spürbar machen will.

Außenanwendung ist möglich, aber regelgebunden: Nur die Architectural-Finishes-Exterior-Varianten sind für Außenbereiche zugelassen, und auch dort nur in geschützten Lagen (Vordach, Loggien, Eingangsportale ohne direkte Bewitterung). Für ungeschützte Fassaden ist DI-NOC nicht die richtige Wahl; dort kommen Renolit Reface oder Avery Facade Film zum Einsatz.

Eine Spezialform ist die Kombination mit Oberflächenschutz-Folien: DI-NOC im Sichtbereich, mit einer transparenten PU-Schutzschicht für stark beanspruchte Klinkenbereiche, Aufzugswände oder Möbelkanten. Diese Kombination verlängert die Standzeit in hochfrequentierten Bereichen erheblich.

Zehn Serien für den überwiegenden Teil der Projekte

Die folgenden zehn Standardserien sind in unseren realisierten Innenraum-Projekten die meisteingesetzten. Pro Serie: kurze Charakterisierung, typische Anwendung, Hinweis zur Bemusterung.

SerieCharakter & Anwendung
1. Fine Wood (Holz, Standardspektrum)Helle Eiche bis dunkle Räuchereiche, Nussbaum, Esche, Buche, Kirsche. Standard für Möbelfronten, Wandverkleidungen und Türen. Bemusterung im Tageslicht zwingend, weil die Holzwirkung mit der Beleuchtung variiert.
2. Metallic (gebürstet und glatt)Edelstahl, Aluminium, Messing, Bronze in gebürsteter oder spiegelglatter Optik. Für Aufzugskabinen, Tresen-Akzente, Foyerelemente. Strichrichtung im Detailplan beachten.
3. Abstract (Beton und Mineralik)Sichtbeton, Terrazzo, Kalkputz, mineralische Effekte. Für loftartige Bürowelten und Akzentflächen. Mustergröße in die Detailplanung einbeziehen.
4. Stone (Marmor und Naturstein)Carrara-Marmor, Travertin, Schiefer, Granit. Für Sanitär, Empfang und exklusive Möbelelemente. Maserungsführung bei mehreren Bahnen sorgfältig planen.
5. Plain Color (Solid Colors / RAL-nahe Töne)Einfarbig in matt, satin, glänzend. Für Türen, Innenrahmen, Möbel und Wandfelder. Häufig mit Holz- oder Metallakzenten kombiniert.
6. Leather (Anilin und Sattelleder)Schwarzes Anilinleder, braunes Sattelleder, dunkelblaue Lederoptik. Für Konferenzwände, Tresenfronten, Akzentmöbel. Sehr texturreich, Bemusterung im Lichtkontext.
7. Glass Finish (Mattglas und Strukturglas)Mattglas-, Frostglas-, Strukturglas-Effekte auf opaken Trägern. Für Fronten, Trennelemente und Türen mit Glas-Anmutung ohne echtes Glas. Spart Statik- und Brandschutzaufwand.
8. Architectural Finishes ExteriorSondergeprüfte Variante für geschützte Außenbereiche (Vordächer, Loggien, Portale). Begrenzte Designauswahl, aber Außenfreigabe und höhere UV-Stabilität. Pflicht bei Bewitterung.
9. Fabric (Textil- und Stoffoptiken)Leinen-, Filz-, Tweed-, Webstruktur-Optiken auf opaken Folien. Für akustikrelevante Wandverkleidungen und Möbel in Hotels, Praxen, Beratungsräumen.
10. Premium Wood (Walnut und Edelhölzer)Amerikanischer Walnuss, Rio-Palisander, Bubinga, Zebrano. Für hochwertige Möbel, Konferenztische, Empfangsfronten. Mit PU-Decklack besonders robust.

Die Serien-Bezeichnungen entsprechen den Sammelfamilien des DI-NOC-Musterbuchs. Innerhalb jeder Serie gibt es jeweils mehrere dutzend Einzelvarianten mit definierten Codes; die konkrete Auswahl erfolgt über das physische Musterbuch oder die Musterbox im Vor-Ort-Termin.

Welche Serie für welchen Raumtyp?

Innenraum einer Personenaufzugskabine mit DI-NOC-Metallic-Folierung an den Seitenwänden und Holz-Optik an der Rückwand

Empfehlungen aus realisierten Innenraum-Projekten. Pro Raumtyp ein bis zwei dominante Serien mit kurzer Begründung.

RaumtypEmpfehlung
Foyer und EmpfangFine Wood für Wärme, Stone oder Abstract für Repräsentation, Metallic als Akzent. Tresenfront großflächig bemustern.
KonferenzraumPremium Wood oder Leather für vertrauliche Atmosphäre, Plain Color als Akustik-Kontrast, Glass Finish auf Trennwänden. Brandklasse B-s2, d0 als Standard.
AufzugskabineMetallic (gebürstet) plus PU-Schutzschicht. Hohe Beanspruchung, wartungsfreundlich, in 30 Min. pro Wand foliert.
HotellobbyMischlösung: Premium Wood für Tresen, Leather/Fabric für Sitznischen, Stone für Akzentwände. Bemusterung in Original-Beleuchtung.
HotelzimmertürenPlain Color matt als Standard, Fine Wood bei Premium-Häusern. Brandschutzauflage prüfen (i. d. R. B-s2, d0).
Sanitär / WellnessStone oder Glass Finish, feuchtraumtauglich bei sauberer Kantenausführung. Standardlinie reicht.
Kanzlei und BeratungPremium Wood für Repräsentation, Leather für Konferenz, Plain Color für Funktionsbereiche. CI über Plain-Color-Sondertöne.
Retail und ShowroomStone und Abstract als Hintergrundwände, Metallic für Display-Akzente. Bei hohem Durchsatz PU-Schutzschicht.

Was die Klassifizierung wirklich aussagt

Für gewerbliche Innenraumanwendungen ist die Brandklasse nach DIN EN 13501-1 das entscheidende Compliance-Kriterium. DI-NOC Architectural Finishes erreicht in den Standardvarianten Klasse B-s2, d0:

KennungBedeutung
Bschwer entflammbar nach DIN EN 13501-1
s2begrenzte Rauchentwicklung im Brandfall
d0kein brennendes Abtropfen / Abfallen
DIN 4102in der älteren Klassifizierung Klasse B1

Diese Klassifizierung ist in den meisten Landesbauordnungen für gewerbliche Innenraumflächen ausreichend, einschließlich Flucht- und Rettungswege in Standardnutzungen. Für besondere Nutzungen (Versammlungsstätten ab definierten Personenzahlen, Krankenhausbereiche mit verschärften Auflagen) kann eine höhere Klasse oder eine produktspezifische Sondereignung verlangt werden. Diese Anforderungen sind objektspezifisch mit dem Brandschutzgutachten abzustimmen.

Wichtig: Die Klassifizierung gilt für die konkrete Charge und das konkrete Produkt. Wir liefern bei jedem Projekt den Klassifizierungsbericht der eingesetzten Charge als Anlage zur Abnahme. Pauschale Aussagen über „DI-NOC ist immer B-s2, d0” stimmen nicht für alle Varianten; einzelne Sonderfolien (z. B. metallisch hochglänzende oder textilstrukturierte Varianten) haben abweichende Klassifizierungen, die im Einzelfall geprüft werden müssen.

Verarbeitung, Haltbarkeit, Pflege

Architekten-Schreibtisch mit Grundriss und sechs DI-NOC-Materialproben in Holz-, Metall-, Stein- und Lederoptiken

Die Verarbeitung erfolgt durch zertifizierte Verarbeiter mit speziellen Andrückrollern und Heißluftgeräten für 3D-Verformung. Untergründe müssen trocken, fettfrei und strukturell stabil sein. Kleinere Unebenheiten bis etwa 1 mm können ausgespachtelt werden; tiefere Schäden erfordern Vorbereitungsarbeiten.

Die Haltbarkeit hängt vom Einsatzort ab. 3M garantiert für die Standardlinie 10 Jahre Innenraum-Anwendung. In stark beanspruchten Bereichen (Aufzugskabinen, Möbelfronten in Hochfrequenz-Bereichen) liegen Erfahrungswerte zwischen 7 und 10 Jahren. Mit PU-Decklack oder Hardcoat-Variante verlängert sich die Standzeit in beanspruchten Bereichen deutlich.

Pflege: Reinigung mit neutralem Reiniger und weichem Tuch. Keine Scheuermittel, keine lösungsmittelhaltigen Reiniger, keine Microfaser mit aggressiver Struktur. Bei Verschmutzung mit haftenden Substanzen (Lippenstift, Tinte) sind Tests mit Isopropanol auf einer unauffälligen Stelle zulässig. Im Reinigungskonzept der Hausverwaltung sollte die DI-NOC-Folierung als Materialklasse explizit vermerkt sein, damit die Reinigungsfirma die richtigen Mittel einsetzt.

Rückbau ist möglich. Mit Wärme lässt sich die Folie vom Substrat lösen, Klebstoffreste werden mit zugelassenen Lösern entfernt. Bei mehrjähriger UV-Exposition kann die Entfernung aufwändiger sein; bei Innenraum-Anwendung in der Regel rückstandsarm.

Wann lohnt DI-NOC wirtschaftlich?

DI-NOC ist Premium im Designfolienmarkt. Material-Preise liegen typischerweise 30 bis 50 Prozent über vergleichbaren Standardfolien wie Avery Dennison Wall Films oder Standardvarianten anderer Hersteller. Diese Mehrkosten rechnen sich, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: Erstens, wenn die gestalterische Wirkung im Vordergrund steht und das Material spürbar Hochwertigkeit transportieren soll. Zweitens, wenn die Standzeit über 8 Jahre liegen soll und Premium-Haltbarkeit ein Kriterium ist. Drittens, wenn die Brandklassen-Anforderung B-s2, d0 in jedem Fall belegt werden muss.

Für reine Großflächen ohne Repräsentationsanspruch (Lager, Treppenhäuser von Verwaltungsbauten, Funktionsräume) ist Avery oder eine Standardlinie häufig wirtschaftlicher. Die gestalterische Entscheidung pro Objekt führt vor der Material-Entscheidung. Eine gemeinsame Designfolien-Beratung mit Musterbox vor Auftragsbestätigung ist bei DI-NOC-Projekten Standard.

Drei Fragen, dann die Serie

Erstens: Welcher Raumtyp wird foliert? Foyer, Konferenz, Aufzug, Sanitär, Möbel: die Raumtypologie engt das Spektrum auf zwei bis drei Standardserien ein.

Zweitens: Welche Brandklassen-Anforderung verlangt die Bauordnung oder das Brandschutzgutachten? Wenn B-s2, d0 verlangt wird, bleiben Sie im DI-NOC-AF-Standardprogramm. Bei verschärften Anforderungen separate Klassifizierungsprüfung.

Drittens: Welche Materialwirkung soll die Folierung transportieren? Holz, Metall, Stein, Textil, Leder, Beton, Glas: diese Frage ist die gestalterische, die im Vor-Ort-Termin mit Musterbox am sichersten zu beantworten ist.

Wer die drei Fragen beantwortet hat, kommt mit der oben genannten Auswahl-Matrix in fast allen Innenraum-Projekten zu einer belastbaren Empfehlung. Für komplexere Fälle (Mischlösungen über mehrere Raumtypen, Corporate-Identity-Integration, denkmalpflegerische Auflagen) liefert die Vor-Ort-Beratung die strukturierte Antwort.

Häufige Fragen

Kann DI-NOC auf Glas verklebt werden? Ja, mit speziellen DI-NOC-Glas-Varianten oder mit der Fasara-Serie. Für reine Glasflächen ist 3M Fasara die designtypisch passendere Antwort; DI-NOC auf Glas wird eher punktuell für Akzentflächen eingesetzt.

Wie groß muss eine Musterbox sein, um die Wirkung zu beurteilen? Mindestens DIN-A4-Format pro Variante. Holz- und Stone-Optiken zeigen ihre Wirkung erst auf Flächen ab 0,5 m² überzeugend. Wir empfehlen, für Schlüsselflächen eine Großmusterung (1 bis 2 m²) am Originalstandort durchzuführen.

Lassen sich Sonderdekore aus dem 3M-Katalog ordern? Ja. 3M produziert für Architekturprojekte ab 50 m² auch Sonderdekore aus dem erweiterten Katalog. Lieferzeit 4 bis 8 Wochen, Mindestabnahmemenge prüfen. Wir koordinieren die Bestellung direkt mit dem Hersteller.

Ist DI-NOC für Krankenhäuser zugelassen? Für die meisten Standardanwendungen ja. Für Hygienebereiche (OP, Intensivstation, Sterilisation) gelten zusätzliche Anforderungen an Reinigung und Materialbeständigkeit. Die jeweiligen Krankenhaus-Hygienevorgaben sind objektspezifisch zu prüfen; Standardvarianten erfüllen die Anforderungen für Stationen, Behandlungsräume und Verwaltungsbereiche.

Kann eine bestehende DI-NOC-Folierung neu überklebt werden? Nein. Eine zweite Folierung über eine bestehende DI-NOC-Schicht hält nicht zuverlässig. Wenn ein Designwechsel ansteht, wird die Altfolie entfernt, der Untergrund vorbereitet und neu beklebt. Aufwand vergleichbar mit Erstfolierung.

Wie lang dauert die Folierung einer typischen Aufzugskabine? Eine Standard-Personenaufzugskabine (4 Innenwände, ca. 8 bis 12 m² Foliefläche) folieren wir je nach Detailaufwand in 4 bis 8 Stunden. Außer Betrieb je nach Zugänglichkeit eine Nachtschicht oder ein Wochenende. Keine längere Sperrzeit.

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